Lieber Gott, fragte das kleine Schweinchen…

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UPDATE: Nachfolgend der Indizierungsantrag im Original: bmfsfj-indizierungsantrag-1.pdf

Wer nicht in der Lage ist, pdf-Dateien zu lesen, dem empfehle ich den kostenlosen “Foxit Reader”, den es HIER zum Download gibt.

Das kleine Ferkelchen fragte. Hallo, wo bitte geht es zu Gott? Tja, das war die falsche Frage. Schließlich gibt es ja drei Götter, mindestens. Nachdem sich das kleine Ferkelchen die Geschichten von den drei Herren, sprich, vom Rabbi, dem Bischof und auch vom Imam angehört hat, beschließt es, Gott (welchen auch immer) gar nicht zu brauchen, da es ihn ja schließlich nicht kennt. Warum will unser Ferkel Gott nicht kennenlernen? Weil es Angst hat, da die oben genannten Herren vom strafenden Gott, vom Tod und der Imam sogar von einer Hölle für Nichtmuslime sprechen.

Aha, denkt der Leser, ein religionskritisches Kinderbuch, gut geeignet daß sich unsere Kleinen eine eigene Meinung über Gott und die Welt bilden können. Wir sind ja schließlich im aufgeklärten, toleranten Europa.

Denkste, weit gefehlt. Es gibt da nämlich noch den rot-grünen Supergutmensch, der sich in diesem Falle Familienministerium nennt. Dieses Ministerium ist der Ansicht, Gott zu hinterfragen, ist nicht in Ordnung.

Hier der Bericht von Heide Oestreich:

Es war als Religionskritik gemeint, doch nun soll es auf den Index: das Kinderbuch “Wo bitte gehts zu Gott? fragte das kleine Ferkel”. Das Tierchen wurde von religiösen Parolen neugierig gemacht und befragt nun Geistliche verschiedener Religionen. Doch der Rabbi erzählt etwas vom strafenden Gott, der Bischof vom Opfertod Jesu und der Imam von der Hölle, in der Nichtmuslime schmoren. Das Ferkel resümiert, dass Gott einem offenbar Angst machen wolle und schließt mit der humanistischen Moral von der Geschicht: “Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht.” Der Alibri-Verlag, der es herausbrachte, meint es als satirisches Kinderbuch, das vor der religiösen Indoktrination von Fundamentalisten jeder Couleur warnen will - als “Dawkins für Kinder”.

Doch das Familienministerium ist ganz anderer Meinung. Es hat bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften eine Indizierungsantrag gestellt. In dem Buch würden “die drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum verächtlich gemacht”, heißt es dort. “Die Besonderheiten jeder Religion werden der Lächerlichkeit preisgegeben”, so das Ministerium. Damit sei das Buch geeignet “eine gesteigerte, über die bloße Ablehnung hinausgehende feindselige Haltung gegen eine durch ihre Nationalität, Religion oder ihr Volkstum bestimmte Gruppe zu erzeugen”. Vor allem stößt dem Ministerium auf, dass “der jüdische Glaube durch die bildliche Darstellung und die Charakterisierung der Person des Rabbi verächtlich” gemacht werde. Er werde als “wütender Mann mit entgleisten Gesichtszügen” dargestellt: “Während die Vertreter anderer Religionen eher tölpelhaft und dumm dargestellt werden, scheinen die Verfasser mit der Darstellung des Rabbiners zu suggerieren, dass die jüdische Glaubensgemeinschaft andere Religionsgemeinschaften vernichten will.”

Autor Michael Schmidt-Salomon findet die Lesart des Ministeriums “ungeheuerlich”: “Dieser Antisemitismusvorwurf ist nichts weiter als ein fadenscheiniger Vorwand, um Religionskritik aus den Kinderstuben zu verbannen”, meint er. Auch der Zeichner des Buches, Helge Nyncke, wundert sich: Dass “ausschließlich der Rabbi” als unsympathisch und gewalttätig dargestellt werde, könne nur behaupten, wer “bewusst einseitig und tendenziös sichtbare Tatsachen verfälsche”, so Nyncke. Gunnar Schedel, der Leiter des Verlages, spricht von einem “Anschlag auf die Meinungsfreiheit” und unterstellt: “Offenbar stört unser “Ferkelbuch” die Pläne des Familienministeriums zur christlichen Werteerziehung”.

Entschieden wird über den Indizierungsantrag am 6. März. Die angeblich jugendgefährdende Religionsfeindlichkeit des Buchs ist übrigens dem Buchdienst Amazon noch gar nicht aufgefallen: Dort wird das Werk unter “Religiöse Kinderbücher” geführt - und verkauft sich blendend.

 

6 Responses to “Lieber Gott, fragte das kleine Schweinchen…”

  1. [...] “Anschlag auf die Meinungsfreiheit” Indizéieren!? “Ministery of Truth and Family” Ärger um ein kleines Ferkel Lieber Gott, fragte das kleine Schweinchen… “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” Wo bitte geht’s zu Gott – [...]

  2. “Es gibt da nämlich noch den rot-grünen Supergutmensch” …

    jetzt auch ganz neu mit schwarzem Parteibuch:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ursula_von_der_Leyen

    –>
    Ursula Gertrud von der Leyen, geb. Albrecht (* 8. Oktober 1958 in Brüssel, Belgien), ist eine deutsche Politikerin (CDU).
    <–

  3. Wer liest schon lange Brocken?

    Watch Haaretz-TV, wirkt gegen Islamisten:
    http://www.haaretz.com/hasen/spages/950116.html

  4. Ja, schön, dass die Familienministerin nicht nur dafür sorgt, dass ein Buch schnellere Verbreitung findet, das u.a. die lächerliche Seite an Religionen aufzeigt, sondern dass sie sich gleich selbst der Lächerlichkeit preis gibt.

  5. Je mehr ich mich mit dem Buch beschäftige und auch inhaltlich Informationen bekomme, halte ich es persönlich für polemisch.

    Es ist kein Pfund besser als die radikalen Gott-Bewegungen, sei es das Christentum, der Islam oder das Judentum oder all die Religionen, die in ihrer Radikalität hier unter den Tisch fallen gelassen wurden, weil es nämlich ebenso radikal ist.

    Das Buch greift alle Floskeln und Überspitzungen ab, die man auf seinem oberflächlichen Weg so finden kann.

    Satire lebt durch so eine Überspitzung, ein Kinderbuch wohl weniger!!

    Eine Indizierung kommt für mich nicht in Betracht, weil ich eine mündige Bürgerin bin, aber vorlesen werde ich meinen Kindern dieses Buch nicht, geschweige denn werde ich es kaufen. Gott bewahre :))

    Es grüßt
    Angelika

  6. Man kann von der Ministerin vdL, ihren Einstellungen und Motiven halten, was man will, nur eines ist einfach FALSCH: Dass das BMFSFJ den Indizierungsantrag mit der Verächtlichmachung der drei dargestellten Religionen begründet haben soll.

    Frau Oestreich nimmt ein paar Sätze heraus und stellt sie in eine neue Reihenfolge und in einen Zusammenhang, den der Antrag ausdrücklich nicht behauptet. Sie zitiert das BMFSFJ so:

    „In dem Buch würden “die drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum verächtlich gemacht”, heißt es dort. “Die Besonderheiten jeder Religion werden der Lächerlichkeit preisgegeben”, so das Ministerium. Damit sei das Buch geeignet “eine gesteigerte, über die bloße Ablehnung hinausgehende feindselige Haltung gegen eine durch ihre Nationalität, Religion oder ihr Volkstum bestimmte Gruppe zu erzeugen”.

    Das verdreht die Aussage des Indizierungsantrags.

    Etwas gerafft, argumentiert der Antrag so:

    Zunächst die Voraussetzungen abstrakt beschrieben, unter denen nach dem Jugendschutzgesetz indexiert werden kann:

    „Nach § 18 Abs.1 Satz 2 JSchG sind Medien jugendgefährdend, wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassismus anheizen.“

    Und hier – abstrakt – kommt auch die Formulierung, die die Autorin, um ein „damit“ ergänzt, fälschlich mit der Aussage über die Verächtlichmachung der Religionen verbunden hat:

    “Zum Rassenhass anheizende Medien sind solche, die sich dazu eignen, eine gesteigerte, über bloße Ablehnung und Verachtung hinausgehende feindselige Haltung gegen eine durch ihre Nationalität, ihre Religion oder ihr Volkstum bestimmte Gruppe zu erzeugen.“[/i]

    Wie gesagt, bis an diese Stelle abstrakt. ÜBER DAS BUCH heißt es dann:

    “In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht. Die Besonderheiten jeder Religion werden der Lächerlichkeit preisgegeben.”

    Also gerade nichts „über bloße Ablehnung und Verachtung hinausgehendes“, was eine Indexierung rechtfertigen würde. Letzteres findet das BMFSFJ aber dann speziell in der Darstellung des Rabbis bzw. des Judentums: Diese wird beschrieben und bewertet, mit dem Schluss, dass DIESE Darstellung, anders als die Darstellung von Christentum und Islam, zu Rassenhass anheize. Zitat:

    “(… ;)

    Diese Art der bildlichen Präsentation stellt die jüdische Religion als besonders menschenverachtend, grausam und mitleidlos dar.

    Während die Vertreter der anderen Religionen eher als tölpelhaft und dumm dargestellt werden, scheinen die Verfasser mit der Darstellung des Rabbiners zu suggerieren, dass die jüdische Glaubensgemeinschaft andere Religionsgemeinschaften vernichten will. Ausschließlich der Rabbi wird in dem Buch in dieser Form charakterisiert.

    (….)“

    Am Ende steht als Folgerung:

    “In der Gesamtbetrachtung weisen Text und Abbildungen des Buches mithin antisemitische Tendenzen auf (…).“
    AUSSCHLIESSLICH diese Tendenzen sollen also die Indexierung rechtfertigen, nicht die allgemeine Religionskritik oder deren Form!

    Ob ich selbst den Vorwurf des Antisemitismus für berechtigt halte, kann ich nicht sagen, ohne das Buch gelesen zu haben. Berechtigt ist jedenfalls ist der Vorwurf schlampiger Arbeit gegenüber Frau Oestreich bzw. die Feststellung, dass PISA überall ist, auch im Journalismus. Es geht dabei gar nicht um spezifisch journalistische Tugenden, sondern offenbar um die LESEKOMPETENZ, also die Fähigkeit, nicht nur einzelne Sätze, sondern auch die Zusammenhänge und den Aufbau einer Argumentation zu erfassen.

    Wer ein Hirn hat zu lesen, der lese, und zwar den vollständigen Antrag im Originaltext (z.B. unter http://hpd-online.de/files/BMFSFJ-Indizierungsantrag.pdf). Oder wie wäre es, wenn Politikpest den Originalwortlaut im Interesse der Aufklärung auf diese Website stellen würde?

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